Wir waren heute im „Illumina“ Lichtergarten in Laxenburg. Was ich dort vorfand, waren Lichtinstallationen von Künstler:innen aus der ganzen Welt, teilweise begleitet von Musik verschiedener Genres und einmal von Wasserspielen.
Ich durfte eintauchen in eine Parallelwelt voll von Illusionen aus Licht, Musik und Wasser, die dunkle Nacht im Hintergrund; Licht hat es so an sich, dass es bei Dunkelheit am besten zur Geltung kommt. Das Licht war meist nicht statisch, sondern dynamisch, in Bewegung.
Fische, Feen, Kugeln, blinzelnde, leuchtende Augen, sprechende Bäume, ein Durchgang von Weihnachten über Silvester bis ins neue Jahr und vieles mehr boten die einzelnen Stationen auf dem rund drei Kilometer langen Pfad durch diese künstliche Lichterwelt.
Ich denke, es hat einen Grund, warum dieser Illusions-Pfad so viele Menschen anzieht: Wir brauchen Illusionen. Warum? Dafür gibt es viele Gründe. Einer mag sein, dass sie uns von täglichen Sorgen ablenken. Doch es ist so viel mehr als das:
Illusionen verleiten zum einen oder anderen Tagtraum, sie sprengen die Grenzen des Denkmöglichen, sie erweiteren unseren Horizont. Und wenn diese Illusionen aus Licht und Musik sind, dann verbinden wir Licht-Erfahrungen und Hör-Erfahrungen mit diesen. Ich habe einige Fotos gemacht, habe das Handy aber auch immer wieder bewusst in der Hosentasche verschwinden lassen, um das zu Sehende und zu Hörende in mich aufzunehmen, mich mit dem, was ich rund um mich herum wahrnehme, zu verbinden. Weil viele Menschen gleichzeitig diesen Weg durch den Schlosspark von Laxenburg gehen, ist es außerdem ein Gemeinschaftserlebnis. Ich habe beobachtet, dass auch manche Menschen alleine unterwegs waren. Vielleicht auch, um der Einsamkeit zu entfliehen?
Illusionen brauchen oft nicht viel. Manchmal genügt eine Kerze, die brennt in der Dunkelheit. Doch wenn man umgarnt wird mit Kunst in Form von Licht und Tönen, wird man förmlich hineingezogen in eine neue Gedankenwelt, die sich aus dem Sichtbaren und Hörbaren ergibt.
Wir sind doch vielfach gefangen in einem Korsett aus Pflichten. Wenn wir dann die Möglichkeit haben, uns einer Illusion hinzugeben, dann holt uns das in unser Innerstes zurück. In den je eigenen Schutzraum, den heiligen Raum im Inneren eines jeden Menschen, den wir nur dann betreten, wenn wir uns sicher fühlen. Fast hätte ich geschrieben, wenn wir uns sicher fühlen „und ungestört“. Davon konnte im Lichtergarten keine Rede sein, weil viel zu viele Menschen gleichzeitig unterwegs waren. Aber alleine die Dunkelheit, die Gesichter nur schemenhaft erkennen lässt, ist ein Schuttzraum.
Das betreten von Kunst- und Illusionsräumen bringt mich dazu, meiner Fantasie freien Lauf zu lassen, Emotionen anders als sonst zu spüren und mich zu öffnen für das, was sonst weniger oder keinen Platz hat. Illusionen braucht es, um daran erinnert zu werden, dass es mehr als alles gibt, dass es Transzendentes gibt, etwas, das uns übersteigt. Und genau diese Erfahrung lässt uns so auf uns selbst blicken, wie wir es im Alltag kaum tun. Sie verleiht uns Leichtigkeit und gleichzeitig ein heiteres Selbstwert-Bewusstsein.
Illusionen bringen zum Schwingen in uns, was unser Potential ist, was in uns ursprünglich angelegt ist. Sie rühren in uns an, was unseren Wesenskern ausmacht. Sie legen frei, was schlummert und lassen uns schließlich selbst „mitleuchten“.


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